Du bist das Wunder.

20.06.2020

Das ist meine Geschichte. Noch heute strauchle ich manchmal, manchmal läuft es gut, manchmal bin ich genau dazwischen. Aber jeden einzelnen Tag weiß ich diese Wahrheit in meinem Herzen.

Nach ein paar Jahren Ehe wurde ich schwanger. Ich war glücklich und außer mir vor Freude. Mein erster Ultraschall, bei dem man den Herzschlag hören konnte, verlief gut. Ein paar Tage später wurde ich zu einer erneuten Untersuchung gebeten, die sich nicht wie erwartet herrausstellte. Mein Mann und ich gaben die Ergebnisse an meine Gynäkologin weiter, um eine zweite Meinung einzuholen. Ich erinnere mich daran, wie wir mit den Berichten in den Händen in der Praxis warteten. Mein Mann bereitete mich darauf vor, dass es nicht gut aussieht. Ich nickte und dachte bei mir, dass alles gut werden wird.

Die Ärztin blickte auf den Bericht und begann sofort die Schritte einer Dilatation und Kürettage (ein Verfahren, um einen unfertigen Embryo zu entfernen) hinunterzurasseln. Ich habe nichts mehr registiert. Ich fragte nur: "Sie meinen, das Baby ist nicht mehr da?" Und sie schaute mich an und lächelte, als wäre das etwas Normales. Es ist nicht normal, dass sich der Embryo nicht ausgebildet hat.
Ich erinnere mich daran, aus der Praxis zu kommen, meinen Mann zu umarmen und bitterlich zu weinen, in totaler Ablehung zu akzeptieren, was gerade geschehen war. Alles, was ich gedanklich registrieren konnte, war, dass es keinen Herzschlag mehr gab. Ich war zu sehr im Schmerz und in Verdrängung.

Danach ließ ich die Operation über mich ergehen und erholte mich. Körperlich war ich in Ordnung, aber emotional war ich ein Wrack. Ich wusste, so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte kein Leben schaffen. Für mich brauchte es wirklich göttliches Eingreifen, da Leben ein Geschenk von oben ist. Also fühlte ich mich hilflos und der göttlichen Macht ausgeliefert. Ich fing an das Gefühl zu haben, dass mich Gott verlassen hat.

Ich hinterfragte Gott und seine Pläne. Warum er mir ein Wunder vorenthalten hat. Ich beobachtete Leute, die mit einem Kind oder zwei gesegnet wurden, Reiche wie Arme, aber ich ging leer aus.
Ich erinnere mich, dass ich eimal während dieser emotionalen Aufruhr zutiefst zornig auf Gott war. Ich schloss mich im Schlafzimmer ein, heulte und blickte nach oben. Immer wieder fragte ich: "Warum hast du mir das Wunder nicht gegeben? Warum hast du mir das Wunder nicht gegeben?" Ich wiederholte dies immer und immer wieder. Im Schmerz, in Wut, in Hoffnungslosigkeit und in Qual. Ich fragte ihn immer wieder, vielleicht 25 Mal, bis ich aufhörte zu zählen und ein Flüstern hörte, das direkt zu mir sprach:

"Aber. Du. Bist. Das. Wunder."

Es hörte sich an wie ein Flüstern: klar, langsam, ruhig, als ob es eine weise, wissende Stimme wäre. Ich stoppte bewusst nach jedem Wort, da in der Stimme keine Eile lag, schnell von einem Wort zum nächsten zu springen.

Das hörte ich und blinzelte verdutzt. Ich hielt inne. Da war eine Stille, die die Wucht dieser Worte wirken ließ.

Man könnte meinen, dass sich mein Leben von dieser Minute an verändert hat, aber nein. Gott gab uns einen freien Willen. Und mein freier Wille war von meiner Angst angeschlagen. Ich musste hart daran arbeiten, bis mein freier Wille wieder frei wurde.

Ich hatte meine zweite Fehlgeburt im selben Jahr. Aber dieses Mal war das emotionale Trauma besser. Körperlich erholte ich mich schneller als davor. Ich wurde wie eine Raupe verwandelt, langsam und stetig.

Nach zwei Fehlgeburten nahm ich mir die Zeit, um mir meiner Ängste bewusst zu werden und mich selbst und meine einzigartige Geschichte anzunehmen. Wir müssen wissen, dass die Natur keine Eile hat. Die Natur hat ihre eigenen Wege, sich zu entfalten. Wenn der menschliche Geist mit Angst erfüllt ist, möchte er so schnell wie möglich äußere Bedingungen herstellen, damit es sich wieder sicher anfühlt. Die Kultur, in der ich aufgewachsen bin, wollte, dass ich so schnell wie möglich ein Baby habe und wenn nicht, würde ich als "etwas Kaputtes" abgestempelt werden. Diese unzähligen Botschaften, die ich von anderen Menschen bekommen habe, manchmal laut ausgesprochen, manchmal auch unterschwellig, waren der Grund für meine Angst. Ich musste bei meinen Ängsten bleiben, damit das zu mir sprechen konnte.
Mein Urteil in der Angst war, dass ich dann sicher und wertvoll sein werde, wenn ich ein Kind habe. Dieses Urteil hat wirklich keine Ahnung.

Ich fühlte mich unwürdig, weil ich dachte, dass mich die göttliche Vorsehung davon abhielt, ein Wunder zu bekommen. Aber diese Stimme, dieses sanfte Flüstern vom Geist Gottes sagte mir, dass ich es bin. Ich brauche kein zusätzliches Wunder, um mich würdig zu machen. Ich bin es. Und das macht mich nicht besonders. Das ist die Natur. Ich weißt, dass der Geist dir auf dieselbe Weise zuflüstern wird, wenn du mit deinem ganzen Herzen suchst, weil wir alle, jeder einzelne von uns, eine Schöpfung seiner wunderschönen, unbegreiflichen, immerwährenden Kraft der Liebe sind.

2016 wurde ich schwanger mit einem gesunden, wunderschönen und wunderbaren Baby. Diese Mal war ich sehr viel ruhiger. Ich hatte das Privileg zu erfahren, wie ein menschlicher Fötus in meinem Bauch heranwächst. Tag für Tag findet Evolution statt und alles, was der menschliche Körper braucht um zu funktionieren, ist es, sich zu entfalten, zu ordnen und sich mit der Natur zu synchronisieren. Für diese Evolution im Bauch der Mutter braucht es kein menschliches Zutun. Es passiert einfach. Beeindruckend und schön! Jeder von uns wurde auf diese wundersame Weise lebendig.

Heute über meine Reise schreiben oder sprechen zu können, ist eine Offenbarung. Wir müssen der Natur folgen, damit sie uns verwandelt und wir müssen uns selbst wandeln, ansonsten bleiben wir in unsere Angst und im Schmerz gefangen.
Meine Reise ist wunder-bar, weil ein Wunder ein Wandel vom Zustand der Angst zum Zustand der Liebe ist.

Meine Fehlgeburten waren natürlich, aber meine Verdrängung davon ließen sie wie eine Strafe aussehen. Unser Bedürftigkeit lässt uns in Angst leben. Frei zu sein bedeutet offen zu sein, anzunehmen, zu lieben und vergeben zu können. Weil ich meine Angst im wahren Licht sehen kann, kann ich die Natur der Angst in uns allen erkennen. Wenn ich mich selbst mehr und mehr annehme, lerne ich, andere anzunehmen. Fehlgeburten und Tod sind Teil des naturgegebenen Verlaufes des Lebens. Das anzunehmen ist ein neuer Weg des Lernens.

In meiner Sehnsucht nach einem Kind hat mich dieses sanfte Flüstern daran erinnert, dass ich auch ein Kind bin. Ein Kind der allzeit liebenden Kraft des Universums.

Wenn du dich hoffnungslos, wertlos und verlassen fühlst und Gott um eine Antwort bittest, spricht Gott auf tausend Weisen zu dir: "Du. Bist. Das. Wunder."

Hörst du zu?

von Deepa Fernandes

(aus dem Englischen übersetzt)

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