Knüpfwerk 2023

DIE KRAFT VON GESCHICHTEN

Italien 2023

Bereits zum dritten Mal in Folge nahmen 55 internationale Teilnehmende aus Österreich, Deutschland, Italien und Jerusalem am interreligiösen Jugendcamp "Knüpfwerk" im August 2023 teil. Das Herzstück dieser Initiative liegt darin, Jugendliche durch Kunst zu verbinden. Die jungen Erwachsenen im Alter von 13 bis 20 Jahren sind eine vielfältige Gruppe hinsichtlich ihrer religiösen und nationalen Hintergründen mit einem gemeinsamen Ziel: Themen, die ihnen wichtig sind, auf kreative Weise zu transformieren und zu erleben, was es bedeutet, als Familie jenseits aller Unterschiede zu leben.

Begleitet von einem internationalen Team aus 20 Animators und Artists haben die Jugendlichen im Laufe der Woche in Summe 30 min Kurzvideos namens "Reels" erstellt. Das Camp-Thema in diesem Jahr lautete "Con-Fusion. The Reeltower of Babel" und wurde durch die Produktion eines digitalen “Turms” aus je 5 Videos durch die Kleingruppen lebendig. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel findet sich im alten Testament, bei der die gemeinsame Absicht, einen soliden Turm zu bauen, durch die von Gott gewollte Verwirrung der Sprachen behindert wird. Im Koran beschreibt dieselbe Geschichte stattdessen die Schöpfung und verschiedene Sprachen als Segen Gottes. Aus der Vermischung von Kulturen, Sprachen und Religionen der jungen Teilnehmer:innen entsteht eine wunderschöne Verschmelzung von Geschichten, die über digitale Medien erzählt werden können. Die Videos wurden aus unterschiedlichen Körperperspektiven aufgenommen, beginnend von den Zehen bis zu den Augen. Jeden Tag wurde ein Workshop zum jeweiligen Thema des Tages angeboten, wie zum Beispiel Wurzeln und Identität für die Füße oder Emotionen für den Bauch. Diese Inputs halfen dabei, Geschichten und Themen für die Videos zu finden und dienten als Sprungbrett und Inspiration für die künstlerischen Kreationen, die während des Tages produziert wurden. Ein Nachmittag am Albano-See und ein Tag zur Entdeckung der Schönheiten Roms bereicherten das volle Programm.

Viele der jungen Teilnehmenden stammen aus Familien, die ihre Länder verlassen mussten, um woanders Asyl zu suchen, andere erleben den israelisch-palästinensischen Konflikt und religiöse Diskriminierung täglich - komplexe Geschichten, die nicht immer Raum finden, erzählt und geteilt zu werden. Die Jugendlichen sind ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Unterschiede die Kraft von Liebe und Einheit nicht begrenzen können. Eine Kraft, die Menschen transformieren kann:

„Ich glaube, ich bin von diesem Camp zumindest ein bisschen verändert zurückgekehrt (…). Dieser Sommer wurde einer der besten Sommer überhaupt - wegen dieses Camps“
(Sofia, 18 Jahre, Teilnehmerin).

Das Endprodukt übertraf alle Erwartungen. Die Türme an Geschichten, die von den verschiedenen Gruppen erbaut wurden zeigen die vielen Talente dieser jungen Menschen. Sie sind eine Möglichkeit, sich mit Medien, die allzu oft schlecht und ohne echtes Ziel genutzt werden, bestmöglich auszudrücken. "Construction Sites", die sich auf verschiedene Künste konzentrierten, halfen ihnen dabei, sämtliche Ideen in Musik, Theater oder Rap zu übersetzen. Die Lieder und Texte konnten dann im Camp-Studio aufgenommen werden und sind eine bleibende Erinnerung an den Prozess, den die Jugendlichen durchgemacht haben. Jeden Tag wurde zudem ein Podcast (Details siehe unten) aufgenommen, in dem über persönliche Erfahrungen gesprochen wird, die nicht nur mit dem Camp und der kreativen Auseinandersetzung zu tun haben, sondern auch Themen wie Stereotype, das Verlassen von Komfortzonen oder Storytelling werden diskutierten.

Das enge Zusammenleben auf diese Weise, das gemeinsame Erschaffen, der freundschaftliche Wettbewerb bei verrückten Spielen und vieles mehr trugen dazu bei, ein Gefühl der Einheit und Familie zu schaffen:

„Obwohl wir aus unterschiedlichen Ländern kamen, unterschiedlichen Religionen angehörten und verschiedene Sprachen sprachen, waren wir alle durch eine Sache vereint: mehr Schönheit in diese Welt zu bringen, mehr Kreativität in diese Welt zu bringen, und die Leute, die ich hier getroffen habe, wurden alle Freunde, Freunde für immer“ (Sofia, 18 Jahre, Teilnehmerin).

Die Verwirrung von Ideen ist zu einer Verschmelzung von Absichten und Leben geworden. Die Herausforderungen, die das Leben uns oft bietet, werden dadurch zu einer Kraft, wie der Refrain des Campsongs komponiert von zwei Animatoren besagt: "Jeder Stein, der nach mir geworfen wird, kann von mir zu einem Turm gemacht werden, mehr Kraft, um den Turm in mir zu bauen, die Kraft der Geschichten in mir".

"Knüpfwerk" ist das interreligiöse und musikalische Sommercamp, das von den drei Vereinen aus Österreich, Deutschland und Jerusalem organisiert wird. Das "Upper Room" ist der österreichische Verein, der vor drei Jahren die Idee hatte, sich auf dieses multiethnische und kulturelle Abenteuer einzulassen, indem er das Magnificat-Institut in Jerusalem und den Verein "Faiths in Tune" aus Berlin einbezog. In diesem Jahr hat sich eine weitere Partnerorganisation der Gruppe angeschlossen, da das Camp in Italien stattfindet: der Verein "Passi" aus Bologna.

Der Podcast zum Camp kann auf Spotify und Applepodcasts angehört werden unter: KNÜPFKAST